Eine Offenbarung für Verbraucher: Dynamische Stromtarife weitgehend unbekannt

2024-12-05
81 % der Deutschen wissen nichts von dynamischen Stromtarifen, berichtet der vzbv. Erfahren Sie mehr über dynamische Stromtarife und wie sie die Zukunft der Strompreise und Energieversorger in Deutschland beeinflussen könnten.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband Der Bundesverband Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat im Juli im Auftrag von Forsa eine repräsentative Stichprobe von rund 1.000 Erwachsenen in Deutschland befragt. Auch 2021 und 2023 wurden ähnliche Befragungen durchgeführt. In der jüngsten Umfrage gaben 81 Prozent der Befragten an, wenig bis gar nichts über dynamische Stromtarife zu wissen. Mehr als die Hälfte kannte solche Stromtarife überhaupt nicht. Hochgerechnet auf ganz Deutschland sind das 19 Millionen Haushalte, die keine oder nur minimale Informationen zu dynamischen Stromtarifen haben. In einem dynamischen Tarifmodell geben die Energieversorger die Marktdynamik weiter. schwankende Strompreise für die Verbraucher. Diese Schwankungen können zeitweise zu niedrigen Preisen führen, aber sie können auch in die Höhe schnellen, sodass die Verbraucher einerseits von billigem Strom profitieren und andererseits von hohen Preisen bedroht sind. Somit liegt sowohl das Potenzial für niedrige Kosten als auch das Risiko hoher Preise ganz beim Kunden.


Dynamische Stromtarife: Auch ohne Verbrauchsverschiebung vorteilhaft

Bis 2025, Energieversorger müssen künftig mindestens einen dynamischen Stromtarif anbieten. Laut einem Gutachten, das der vzbv beim Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft in Auftrag gegeben hat, können solche dynamischen Tarife auch für Privathaushalte mit geringem Energieverlagerungspotenzial von Vorteil sein. Die Autoren des Gutachtens verglichen verschiedene dynamische Stromtarife und Festpreise für Stichprobenhaushalte mit unterschiedlichen Stromtarifen. Dabei konzentrierten sie sich auf einen Zeitraum, in dem die Strompreise stark fielen und leicht anstiegen, aber nie das Niveau vom Jahresanfang erreichten. Obwohl dieses Szenario für dynamische Stromtarife vorteilhaft erscheint, waren die Ergebnisse gemischt. Nur für einige Stichprobenhaushalte waren dynamische Tarife etwas günstiger als die günstigsten Festpreise. Allerdings stellte das Gutachten auch fest, dass in Zeiten steigender Strompreise auch das umgekehrte Szenario eintreten könne. Eine Beispielrechnung dafür lag allerdings nicht vor.


Für den vzbv ergibt sich daraus eine insgesamt optimistische Einschätzung der dynamischen Stromtarife. „Mit dynamischen Stromtarifen können Verbraucher an der Energiewende teilhaben und direkt von niedrigen Strompreisen an den Börsenmärkten profitieren“, sagt Jutta Gurkmann, Geschäftsführerin des vzbv.


Mehr Transparenz für dynamische Stromtarife vorgeschlagen

Ein großes Problem vieler dynamischer Stromtarife ist laut vzbv die mangelnde Transparenz bei der Preisbildung und die komplexe Tarifstruktur. „Jeder Anbieter kann seine Stromtarife unterschiedlich gestalten, was den Vergleich erschwert“, sagt Gurkmann. Der vzbv plädiert daher für Mindeststandards bei der Information über dynamische Stromtarife. Für Vergleichsportale sollten Richtlinien eingeführt werden, um Festpreisverträge und dynamische Verträge optimal vergleichen zu können. Der Bericht schlägt vor, historische Daten der letzten 12 Monate zu vergleichen, um die Informationspflichten zu erfüllen – eine machbare Aufgabe, die jedoch nur eine begrenzte Aussagekraft für die Zukunft hat. Für den Vergleich auf Stromvergleichsportalen schlägt der Bericht vor, „realistische Szenarien über längere Zeiträume“ darzustellen. Wie man jedoch „realistische Szenarien“ für ein so volatiles Gut wie Strom erstellen soll, das Weltmarkt- und politischen Entwicklungen unterliegt, bleibt offen.


Verbraucherorganisation plädiert für dynamische Stromtarife mit Preisschutz

Darüber hinaus fordert der vzbv, dass Energieversorger Tarife anbieten, die einen Schutz vor „exorbitanten Preissteigerungen“ beinhalten. Preisspitzen können auftreten, wenn die Energiepreise unerwartet steigen, wie im Jahr 2022. Eine solche Absicherung „würde dynamische Tarife für zusätzliche Verbrauchergruppen attraktiver machen“, sagt Gurkmann. Trotzdem räumen die Autoren ein, dass ein solcher Schutz wahrscheinlich begrenzt sei, „sonst besteht die Gefahr, dass die Anbieter ihre Kosten nicht decken können“. Diese Einschränkung erwähnt der vzbv nicht. Ob diese sogenannten Schutzstromtarife insgesamt trotzdem günstiger sind als Festtarife, bleibt im Bericht unklar.

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